Due Diligence
Due Diligence (oft auch DD) ist die systematische Prüfung eines Unternehmens vor Investment oder Übernahme, um Chancen, Risiken und offene Punkte verlässlich zu bewerten. Im Startup-Kontext ist sie die Phase, in der aus einem „Pitch-Deal“ ein rechtlich und wirtschaftlich belastbares Investment wird. Gerade bei Die Höhle der Löwen entscheidet die Due Diligence häufig darüber, ob der Deal nach der Sendung wirklich zustande kommt oder neu verhandelt wird.
Was Due Diligence leistet und warum sie bei DHDL so entscheidend ist
Due Diligence ist keine Misstrauensübung, sondern ein standardisierter Abgleich zwischen Story und Realität. Investor:innen wollen verstehen, ob die Annahmen aus dem Pitch (Umsatz, Marge, Lieferfähigkeit, Schutzrechte, Team, Skalierung) durch Dokumente und Prozesse gedeckt sind. Bei DHDL ist das besonders relevant, weil die Verhandlung im Studio bewusst vereinfacht ist und Details erst danach sauber geklärt werden, unter anderem im Cap Table, in Verträgen und in der Rechtekette.
In der Praxis ist Due Diligence auch ein Verhandlungsinstrument: Je höher die Unsicherheit, desto mehr Risiko wird in Konditionen eingepreist (z. B. Bedingungen, Garantien, zusätzliche Rechte). Wer als Gründer gut vorbereitet ist, reduziert diese Unsicherheit und stärkt die eigene Position. dhdl.info beschreibt genau diese Logik: Nach der Aufzeichnung folgt die Unternehmensprüfung; weichen Angaben stark von den Fakten ab, platzen Deals nicht selten.
Ablauf einer Due Diligence
Der Prozess startet meist nach einer grundsätzlichen Einigung (häufig Term Sheet oder mündliche Einigung) und läuft dann in klaren Schritten ab. Zuerst wird ein Datenraum eingerichtet, in dem Dokumente strukturiert abgelegt werden; anschließend folgen Rückfragen (Q&A), Nachlieferungen und am Ende eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse (Findings). Diese Findings werden entweder „geheilt“ (Dokumente nachreichen, Verträge schließen, Rechte abtreten, Zahlen erklären) oder sie führen zu Anpassungen des Deals.
Im DHDL-Kontext ist der Zeitfaktor besonders spürbar: Nach Ausstrahlung gibt es Aufmerksamkeit, Handelschancen und Druck, schnell Klarheit zu schaffen. Genau deshalb lohnt sich ein „DHDL-tauglicher“ Datenraum idealerweise schon vor dem Pitch, damit die Prüfung nach der Show nicht erst bei null beginnt.
Prüfbereiche bei Startups und typische rote Flaggen
Die Tiefe der Prüfung variiert, die Module sind aber erstaunlich ähnlich. Für Gründer ist hilfreich, die Prüfung als Baukasten zu denken: Jede Kategorie braucht Dokumente, eine kurze Erklärung und eine klare Zuständigkeit im Team. YC stellt dafür sehr konkrete Checklisten bereit, die als Orientierung für Startups und Datenräume dienen.
| Bereich | Was geprüft wird | Typische rote Flaggen (DHDL-klassisch) |
|---|---|---|
| Corporate/Cap Table | Gesellschaftsstruktur, Gesellschafter, Beteiligungen, Optionen/VSOP | „wilder“ Cap Table, Nebenabreden, fehlende Dokumentation |
| Financial | Umsatzlogik, Marge, Cash, Runway, Forecast | unplausible Zahlen, fehlendes Controlling, Margen weichen vom Pitch ab |
| Legal/Verträge | Kunden-, Lieferanten-, Lizenz-, Partnerverträge | mündliche Absprachen, fehlende Unterschriften, riskante Kündigungsrechte |
| IP/Marke | Marken, Designs, Code-Ownership, Rechteabtretungen | IP liegt nicht bei der Firma, Freelancer ohne Abtretung, Marken nicht gesichert |
| Commercial | Markt, Wettbewerb, Preis, Unit Economics | USP nicht belegbar, „alle“ als Zielgruppe, unrealistische Skalierungsannahmen |
| Tech/Datenschutz | Security, DSGVO-Basics, Lizenzen/Tools | Datenschutzlücken, Lizenzrisiken, fehlende Zugriffs-/Backup-Struktur |
Viele DHDL-Deals platzen nicht, weil das Produkt schlecht ist, sondern weil Struktur und Nachweisbarkeit fehlen. dhdl.info nennt als typische Ursache, dass Angaben aus der Show von den tatsächlichen Fakten abweichen und die Prüfung dann den Ausschlag gibt.
Findings: Wie Due Diligence den Deal konkret verändert
Due Diligence endet nicht mit „gut/schlecht“, sondern mit Konsequenzen für den Vertrag. Findings werden typischerweise in drei Gruppen übersetzt: Bedingungen vor Closing, Anpassungen am Vertragstext und Maßnahmen nach Closing. In DHDL ist genau das der Moment, in dem ein Studio-Deal „real“ wird oder auseinanderfällt, weil Anforderungen und Realität nicht zusammenpassen.
Praxisnahe Beispiele:
- Unklare IP-Kette: Bedingung, Rechteabtretungen nachholen, bevor investiert wird
- Abweichende Marge/COGS: Anpassung, Meilensteine oder Bewertung neu kalibrieren
- Offene Lieferantenrisiken: Bedingung, Liefervertrag fixieren und Zusagen dokumentieren
- Cap-Table-Intransparenz: Anpassung, cap-table cleanup und fully-diluted Szenario festschreiben
- Datenschutzlücken: Maßnahme, DSGVO-Doku und Security-Basics nachziehen
DHDL-tauglicher Datenraum
Ein Datenraum muss nicht überperfekt sein, aber er muss logisch und vollständig wirken. Am besten funktioniert eine Ordnerstruktur, die sich an den Prüfmodulen orientiert, damit Investor:innen nicht suchen müssen und Rückfragen schneller beantwortet werden. Das reduziert Reibung und wirkt professionell, was im DHDL-Prozess nach der Sendung besonders wertvoll ist.
Bewährte Ordnerstruktur (Kurzversion):
- 01_Corporate (Handelsregister, Gesellschafterliste, Cap Table, Beschlüsse)
- 02_Financial (BWA/Jahresabschluss, Umsatzlisten, COGS/Margenlogik, Forecast)
- 03_Legal (Kunden/Lieferanten, AGB, IP-/Lizenzverträge, Versicherungen)
- 04_IP_Brand (Markenstatus, Designs, Rechteabtretungen, Domains)
- 05_Commercial (Markt, Wettbewerber, Pricing, KPIs, Sales-Kanäle)
- 06_Tech_Data (Datenschutz, AV-Verträge, Security, Lizenzen/Tools)
- 07_HR_Team (Verträge, Freelancer, ESOP/VSOP-Dokumente)
DHDL-spezifischer Tipp: Lege eine Datei „Pitch Claims“ an (z. B. Umsatz, Marge, Produktionskosten, Lieferzeit, Patente/Marke, Kunden) und verlinke die Belege im Datenraum. So wird die Prüfung schneller, weil die wichtigsten TV-Aussagen direkt überprüfbar sind.
Häufige Fragen zu Due Diligence
Was ist Due Diligence einfach erklärt?
Due Diligence ist die systematische Prüfung eines Unternehmens vor einem Investment, Unternehmenskauf oder einer Beteiligung. Ziel ist es, Chancen, Risiken und offene Punkte so weit wie möglich verlässlich zu bewerten. Im Startup-Kontext dient Due Diligence dazu, die Aussagen aus Pitch, Unterlagen und Gesprächen mit der tatsächlichen wirtschaftlichen und rechtlichen Lage abzugleichen.
Welche Bereiche werden bei einer Due Diligence typischerweise geprüft?
Typischerweise umfasst Due Diligence mehrere Prüfbereiche, darunter Gesellschaftsstruktur und Cap Table, Finanzen, Verträge, Schutzrechte, Marktlogik, Team sowie je nach Geschäftsmodell auch Technik und Datenschutz. Die genaue Tiefe hängt von der Größe, Reife und dem Risiko des Unternehmens ab. Bei Startups stehen häufig vor allem Finanzdaten, Rechteketten, Verträge und die Belastbarkeit des Geschäftsmodells im Fokus.
Was ist ein Datenraum und warum ist er so wichtig?
Ein Datenraum ist ein strukturierter, meist geschützter Ablageort für die Unterlagen, die im Rahmen der Due Diligence geprüft werden. Dort finden Investoren oder Käufer die relevanten Dokumente, zum Beispiel zu Gesellschaft, Finanzen, Verträgen, Marken, Datenschutz oder Personal. Ein sauber aufgebauter Datenraum beschleunigt die Prüfung, reduziert Rückfragen und wirkt deutlich professioneller.
Warum kann Due Diligence einen Deal verändern?
Due Diligence überprüft, ob die Annahmen aus der Verhandlung tatsächlich belastbar sind. Wenn sich dabei Abweichungen zeigen, etwa bei Marge, Rechten, Verträgen, Lieferfähigkeit oder Beteiligungsstruktur, kann das zu neuen Bedingungen, geänderten Vertragsklauseln oder einer anderen Bewertung führen. Die Prüfung ist deshalb nicht nur Formalität, sondern oft der Moment, in dem ein Deal wirtschaftlich neu kalibriert wird.
Welche typischen roten Flaggen tauchen bei Startups in der Due Diligence auf?
Häufige rote Flaggen sind unvollständige oder widersprüchliche Zahlen, ein unklarer Cap Table, fehlende Rechteabtretungen von Freelancern oder Entwicklern, unsaubere Verträge sowie Lücken bei Marken, Datenschutz oder Gesellschafterdokumenten. Auch mündliche Nebenabreden oder nicht belegbare Aussagen aus dem Pitch können problematisch sein. Solche Punkte bedeuten nicht automatisch das Aus für einen Deal, sie erhöhen aber das Risiko und damit oft den Verhandlungsdruck.
Warum ist Due Diligence bei Die Höhle der Löwen besonders wichtig?
Im DHDL-Studio wird ein Deal stark vereinfacht verhandelt, meist als Summe gegen Anteil. Die Due Diligence ist danach die Phase, in der geprüft wird, ob Zahlen, Rechte, Verträge und Strukturen diese Einigung tatsächlich tragen. Genau deshalb entscheidet sie im DHDL-Kontext häufig darüber, ob ein Handschlag wirklich zum Closing führt, der Deal angepasst wird oder am Ende doch nicht zustande kommt.
Quellen und weiterführende Links
- https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/due-diligence-35668
- https://www.ycombinator.com/library/3h-series-a-diligence-checklist
- https://www.dhdl.info/faq/
- https://www.dhdl.info/
Infobox
Der Begriff Due Diligence ist auch aus dem US-Kapitalmarktrecht bekannt: Unter Section 11 des Securities Act of 1933 gibt es für bestimmte Beteiligte eine „due diligence defense“, wenn eine angemessene Prüfung nachgewiesen werden kann.
Glossar-Übersicht
- Runway ( einfach erklärt)
- Burn Rate ( einfach erklärt)
- Customer Acquisition Cost ( einfach erklärt)
- Customer Lifetime Value ( einfach erklärt)
- Payback Period ( einfach erklärt)
- Gross Revenue ( einfach erklärt)
- Churn ( einfach erklärt)
- Vesting ( einfach erklärt)
- Patent ( einfach erklärt)
- Net Revenue ( einfach erklärt)
- Marke ( einfach erklärt)
- Break-even ( einfach erklärt)
- Cap Table ( einfach erklärt)
- Equity Fall ( einfach erklärt)
- Fully diluted ( einfach erklärt)
- Pitch ( einfach erklärt)
- USP ( einfach erklärt)
- Series-A ( einfach erklärt)
- Convertible Notes ( einfach erklärt)
- Seed ( einfach erklärt)
- SAFEs ( einfach erklärt)
- Wanderdarlehen ( einfach erklärt)
- Due Diligence ( einfach erklärt)
- Deckungsbeitrag (DB1/ DB2) ( einfach erklärt)
- Cashflow ( einfach erklärt)
- Marge ( einfach erklärt)
- Deal ( einfach erklärt)
- Traction ( einfach erklärt)
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¶ Due Diligence wurde von Autor:in Robert (rh) veröffentlicht am 9. April 2026.
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