Pre-Money & Post-Money

Wer mit Investor:innen spricht, kommt an Pre-Money und Post-Money nicht vorbei. Beide Begriffe entscheiden darüber, wie viel Anteil du für wie viel Kapital abgibst und ob alle Beteiligten wirklich über dasselbe sprechen.

Inhaltsübersicht

TL;DR: Pre-Money und Post-Money

  • Pre-Money bezeichnet die Unternehmensbewertung vor dem Einstieg eines Investments.
  • Post-Money ist die Bewertung nach dem Investment und ergibt sich aus Pre-Money-Bewertung plus investiertem Kapital.
  • Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie bestimmt, wie viele Unternehmensanteile Investorinnen und Investoren für ihr Geld erhalten.
  • Wenn ein Start-up zum Beispiel mit 900.000 Euro Pre-Money bewertet wird und 100.000 Euro investiert werden, liegt die Post-Money-Bewertung bei 1 Million Euro.
  • Auf dieser Grundlage lässt sich berechnen, welcher prozentuale Anteil an dem Unternehmen an die Kapitalgeber geht.
  • Für Gründer ist das zentral, weil Pre-Money und Post-Money direkten Einfluss auf Verwässerung, Kontrolle und die langfristige Beteiligungsstruktur haben.
  • Wer den Unterschied sauber versteht, kann Bewertungen, Investorenangebote und Beteiligungsquoten im Pitch deutlich besser einordnen.

Pre-Money und Post-Money: verständlich erklärt, korrekt berechnet, sauber verhandelt

Viele Missverständnisse entstehen nicht durch die Bewertung selbst, sondern durch unklare Annahmen (Option Pool, Wandeldarlehen, fully diluted). Dieser FAQ-Artikel klärt Definitionen, Rechenwege und typische Stolperfallen so, dass du sie direkt für Pitch, Term Sheet und Cap Table nutzen kannst.

Was bedeutet Pre-Money und was bedeutet Post-Money

Pre-Money ist der Unternehmenswert vor der aktuellen Finanzierungsrunde, also bevor das neue Geld in die Firma fließt. Post-Money ist der Unternehmenswert nach der Runde, also inklusive des neu investierten Kapitals. In der einfachsten Form gilt: Post-Money = Pre-Money + Investment, sofern es sich um eine reine Kapitalzufuhr gegen neue Anteile handelt und keine Sonderfälle (z. B. Secondary, Schuldenrückzahlung aus dem Investment, Tranchen) vorliegen.

Wichtig ist außerdem die Perspektive: Im Startup-Kontext meint “Bewertung” in der Regel den Eigenkapitalwert (Equity Value) auf Basis der Anteile, nicht zwingend den Unternehmenswert im Sinne von Enterprise Value. In der Praxis wird häufig auf fully diluted Basis gerechnet, also unter Einbezug von Optionen, ESOP/VSOP und wandelbaren Instrumenten. Genau das ist auch der Grund, warum zwei scheinbar identische Deals am Ende zu unterschiedlichen Ownership-Ergebnissen führen.

Warum der Unterschied in der Praxis so entscheidend ist

Ob eine Zahl als Pre-Money oder Post-Money verstanden wird, ändert unmittelbar die prozentuale Beteiligung der Investor:innen. Wenn diese Zuordnung nicht explizit festgehalten wird, sind Streit und Nachverhandlungen praktisch vorprogrammiert. Zusätzlich beeinflusst die Definition, ob ein Option Pool vor oder nach dem Investment “eingepreist” wird, wie stark Gründer:innen verwässert werden.

Gerade in frühen Runden werden Bewertungen oft als Verhandlungszahl verwendet, nicht als “objektiv richtiger” Wert. Umso wichtiger ist eine saubere Rechenlogik, die alle Nebenannahmen sichtbar macht und in Cap Table und Term Sheet konsistent bleibt.

So berechnest du Pre-Money und Post-Money korrekt

Grundformeln für den Standardsfall

Wenn Investmentbetrag und Zielanteil der Investor:innen feststehen, lässt sich die Post-Money direkt ableiten:

  • Post-Money = Investment / Beteiligungsquote
  • Pre-Money = Post-Money – Investment
  • Beteiligungsquote Investor:in = Investment / Post-Money

Diese Logik ist die Basis vieler Standarderklärungen und dient als schnelle Plausibilitätsprüfung für Term Sheets und Pitches.

Anteilspreis und Anzahl der Anteile

Für Cap Table und Term Sheet brauchst du zusätzlich den impliziten Anteilspreis:

  • Preis pro Anteil = Post-Money / (voll verwässerte Anteile nach der Runde)

Hier ist “voll verwässert” der kritische Punkt: Zählst du Optionen, Wandlungsrechte oder zugesagte ESOP-Anteile mit, sinkt der Preis pro Anteil und die Verwässerung verteilt sich anders.

Rechenbeispiele, die typische Missverständnisse auflösen

Beispiel 1: Klare Pre-Money, klare Runde

  • Pre-Money: 4.000.000 €
  • Investment: 1.000.000 €
  • Post-Money: 5.000.000 €
  • Investor-Anteil: 1.000.000 € / 5.000.000 € = 20 %

Interpretation: Die Investor:innen zahlen 1 Mio. € für 20 % am Unternehmen nach Investment. Das ist sauber, weil Pre und Post eindeutig sind und keine Nebenannahmen fehlen.

Beispiel 2: Eine Zahl, zwei Interpretationen

Angenommen, es fällt nur der Satz: “Bewertung 5 Mio. €, Investment 1 Mio. €”.

Variante A (5 Mio. ist Pre-Money):

  • Post-Money = 6 Mio. €
  • Investor-Anteil = 1/6 = 16,67 %

Variante B (5 Mio. ist Post-Money):

  • Pre-Money = 4 Mio. €
  • Investor-Anteil = 1/5 = 20 %

Beide Varianten klingen im Gespräch plausibel, führen aber zu deutlich anderer Beteiligung. Genau deshalb gehört die Pre/Post-Definition als eigener Punkt ins Term Sheet.

Tabelle: die wichtigsten Zusammenhänge auf einen Blick

GrößeKurzbeschreibungStandardformel
Pre-MoneyWert vor der RundePre = Post – Investment
Post-MoneyWert nach der RundePost = Pre + Investment
Investor-AnteilAnteil nach InvestmentAnteil = Investment / Post
AnteilspreisPreis je Anteil (fully diluted)Preis = Post / FD-Anteile

Die Tabelle deckt den Standardfall ab und ist für die meisten Seed- und Series-A-Gespräche ausreichend. Sobald Secondary-Anteile, Wandelinstrumente oder Pools eine Rolle spielen, musst du die Annahmen explizit ergänzen. Eine gute Cap-Table-Disziplin ist dafür die beste Absicherung.

Typische Stolperfallen und wie du sie entschärfst

Option Pool: pre oder post eingepreist

Ein häufiger Streitpunkt ist, ob ein ESOP/VSOP- oder Optionspool “vor der Runde” (pre) geschaffen wird oder “nach der Runde” (post). Wird der Pool pre angelegt, tragen Gründer:innen die Verwässerung stärker, weil die Investor:innen ihren Zielanteil auf einer bereits erweiterten fully-diluted Basis erhalten. Wird er post angelegt, teilen sich Verwässerungseffekte anders und die ökonomische Wirkung kann spürbar abweichen.

Wandeldarlehen, SAFE und ähnliche Instrumente

Convertible Notes, SAFEs oder Wandeldarlehen erhöhen die Komplexität, weil sie oft mit Cap (Bewertungsobergrenze) und Discount wandeln. Die ökonomisch relevante “effective pre-money” entsteht dann erst beim Conversion-Ereignis. In der Praxis hilft es, im Cap Table mehrere Szenarien zu rechnen: Wandlung zum Cap, Wandlung mit Discount, Wandlung ohne beides.

Secondary vs. Primary

Pre/Post-Money-Logik setzt typischerweise voraus, dass Geld in die Firma fließt (Primary) und dafür neue Anteile ausgegeben werden. Beim Secondary (Kauf bestehender Anteile) wechselt Geld Eigentümer:innen, nicht das Unternehmen. Dadurch kann sich die Ownership verändern, ohne dass das Unternehmen mehr Liquidität hat.

Schutzrechte verändern nicht die Rechenformel, aber die Ökonomie

Liquidationspräferenzen, Beteiligungsrechte oder Anti-Dilution-Klauseln ändern nicht automatisch die Pre/Post-Zahl. Sie können aber den wirtschaftlichen Wert der Anteile stark beeinflussen und damit die “gefühlte Bewertung” verschieben. Deshalb sollten Bewertung und Konditionen immer gemeinsam betrachtet werden.

Mini-Checkliste für Pitch und Term Sheet

  • Steht die Bewertung ausdrücklich als Pre-Money oder Post-Money im Dokument?
  • Ist “fully diluted” definiert (Optionen, VSOP/ESOP, Wandlungsrechte)?
  • Wird ein Option Pool angelegt, und wenn ja: pre oder post?
  • Fließt das Investment komplett als Primary in die Firma oder gibt es Secondary-Anteile?
  • Gibt es Tranchen, Milestones oder Bedingungen, die die Runde wirtschaftlich teilen?
  • Sind zentrale wirtschaftliche Klauseln (z. B. Liquidationspräferenz) transparent dokumentiert?

Diese Checkliste ist kurz genug für den Alltag und verhindert die typischen Bewertungs-Missverständnisse, bevor sie teuer werden.

Einordnung für Die Höhle der Löwen

Auch bei TV-Pitches ist die Logik dieselbe: Ein Angebot “X Euro für Y Prozent” impliziert rechnerisch eine Post-Money-Bewertung (Post = X / Y) und daraus abgeleitet die Pre-Money (Pre = Post – X). In der Sendung kommen allerdings regelmäßig Deal-Strukturen vor, die von einer reinen Cash-gegen-Anteile-Logik abweichen (z. B. umsatzabhängige Komponenten oder Bedingungen). Dann sollte man die Pre/Post-Zahlen als Näherung verstehen und die wirtschaftliche Wirkung über Szenarien betrachten, nicht nur über eine einzelne Bewertungszahl.

FAQ: häufige Fragen zu Pre- und Post-Money

Was ist der Unterschied zwischen Pre-Money und Post-Money?

Pre-Money ist die Bewertung vor einer Finanzierungsrunde, Post-Money die Bewertung nach der Runde inklusive des neuen Kapitals. Der Unterschied beeinflusst direkt die prozentuale Beteiligung. Deshalb sollte im Term Sheet immer eindeutig stehen, welche Logik gilt.

Wie berechne ich die Post-Money-Bewertung aus Investment und Prozentanteil?

Du teilst das Investment durch die Beteiligungsquote, die Investor:innen nach der Runde erhalten sollen. Beispiel: 500.000 € für 10 % ergibt eine Post-Money von 5.000.000 €. Wichtig ist, dass sich die Quote auf die fully diluted Basis bezieht, wenn das so verhandelt wurde.

Wie berechne ich die Pre-Money-Bewertung?

Im Standardsfall ziehst du das Investment von der Post-Money ab. Beispiel: Post 5 Mio. €, Investment 1 Mio. € ergibt Pre 4 Mio. €. Das gilt nur sauber, wenn das Investment als Primary in die Firma fließt und keine Sonderlogiken (Secondary, Tranchen oder Zahlungsabflüsse) enthalten sind.

Welche Bewertung steht typischerweise im Term Sheet: pre oder post?

Beides kommt vor, je nach Markt, Runde und Investor:innen. Entscheidend ist weniger das “Übliche”, sondern dass im Dokument eindeutig steht, welche Logik gilt. Zusätzlich sollte die fully diluted Definition als eigener Passus auftauchen.

Was bedeutet fully diluted und warum ist das wichtig?

Fully diluted meint, dass alle potenziell ausübbaren Rechte (Optionen, VSOP/ESOP, Wandlungen) so behandelt werden, als wären sie bereits in Anteile umgewandelt. Dadurch steigt die rechnerische Anzahl der Anteile, was den Anteilspreis und die prozentuale Verwässerung beeinflusst. Wenn zwei Parteien unterschiedliche fully-diluted-Annahmen nutzen, rechnen sie am Ende über unterschiedliche Cap Tables.

Wie wirkt sich ein ESOP/Option Pool auf meine Verwässerung aus?

Ein Pool erhöht die fully diluted Basis und verteilt Ownership neu. Wird der Pool vor der Runde geschaffen, tragen Gründer:innen häufig den größeren Verwässerungseffekt, weil Investor:innen ihren Zielanteil auf einer bereits erweiterten Basis erhalten. Wird er nach der Runde geschaffen, verschiebt sich die Verwässerung stärker auf alle Beteiligten.

Wie behandle ich Wandeldarlehen oder SAFEs bei Pre/Post-Money?

Wandelinstrumente werden oft erst bei der nächsten Runde in Anteile umgerechnet, häufig mit Discount oder Valuation Cap. Damit steht die ökonomisch relevante “effektive” Bewertung erst fest, wenn die Wandlungslogik greift. Praktisch sinnvoll sind Szenario-Rechnungen im Cap Table, damit du die Bandbreite der Verwässerung vorab kennst.

Was ist eine Up Round und was ist eine Down Round?

Eine Up Round bedeutet, dass die Bewertung gegenüber der vorherigen Runde steigt. Eine Down Round bedeutet, dass sie sinkt, was oft stärkere Verwässerung und anspruchsvollere Verhandlungslagen mit sich bringt. Entscheidend ist dabei nicht nur die headline Post-Money, sondern auch die Deal-Konditionen.

Ist die Post-Money-Bewertung gleichbedeutend mit dem “Unternehmenswert”?

Im Startup-Deal-Kontext ist Post-Money meist der Eigenkapitalwert, abgeleitet aus Anteilspreis und (fully diluted) Anzahl der Anteile. Das ist nicht automatisch identisch mit einem Enterprise Value, der Schulden und überschüssige Liquidität anders behandelt. Für die Ownership-Rechnung ist Post-Money dennoch die zentrale Bezugsgröße.

Welche Rolle spielen Liquidationspräferenzen bei der “echten” Bewertung?

Liquidationspräferenzen ändern nicht zwingend die Pre/Post-Rechenformel, beeinflussen aber die Auszahlungsreihenfolge und damit die ökonomische Verteilung beim Exit. Eine hohe Präferenz kann dazu führen, dass eine hohe Post-Money sich im Exit weniger wert anfühlt, besonders für Gründer:innen und Employee Pools. Deshalb sollten Bewertung und Konditionen immer gemeinsam gelesen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Primary und Secondary in Bezug auf Pre/Post?

Primary bedeutet: Geld fließt ins Unternehmen und es werden neue Anteile ausgegeben, die Pre/Post-Logik passt direkt. Secondary bedeutet: Investor:innen kaufen bestehende Anteile von bisherigen Gesellschafter:innen, das Unternehmen bekommt kein neues Cash. In Secondary-Fällen sind Pre/Post-Begriffe als alleinige Erklärung oft unzureichend, weil die Liquiditätswirkung fehlt.

Wie erkläre ich Pre/Post-Money im Pitch in einem Satz, ohne Verwirrung zu stiften?

Nenne zuerst, ob du eine Pre- oder Post-Money meinst, und ergänze dann den Ownership-Bezug. Beispiel: “Wir raisen 1 Mio. € bei 4 Mio. € Pre-Money, das ergibt 5 Mio. € Post-Money und 20 % für die Runde.” Damit sind Rechenweg und Ergebnis gleichzeitig transparent.

Quellen und Weiterführendes


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Autor Robert
¶ Pre-Money & Post-Money (V) wurde von Autor:in Robert (rh) veröffentlicht am .
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